Gerhard Fehr

Wenn kognitive Verzerrungen im Management gute Investments verhindern

Von | 27. Feb. 2012 | 0 Kommentare

Manche Unternehmen investieren weniger in ihr Wachstum als nötig wäre. Das kann auch an kognitiven Verzerrungen (Biases) bei den Entscheidungsträgern liegen.

Michael Kopatz / pixelio.de

Eine der grossen Fragen der schwächelnden globalen Wirtschaft lautet: Warum investieren Unternehmen nicht viel mehr? Die Kassen vieler Konzerne sind doch prall gefüllt, die Zinsen sind niedrig und in Zeiten der Krise gibt es viele Gelegenheiten für billige Investments. Trotzdem halten sich viele Unternehmen auffallend zurück.

Sicher tragen Rezessionsängste und viele ungeklärte wirtschaftspolitische Fragen das Ihre dazu bei, doch ein Studie von McKinsey Quarterly (“A bias against investment?” von Tim Koller, Dan Lovallo und Zane Williams) legt noch einen weiteren Grund für zögerliche Investments nahe: Es können auch so genannten Biases, also häufig auftretende kognitive Verzerrungen, dieses Investment-Verhalten beeinflussen.

Für die Studie wurden CEOs zu den Investment-Strategien ihrer Unternehmen befragt. Mehr als 80 Prozent gaben an, dass ihre Organisationen an zumindest einem der bekannten Biases leiden. Hier die am weitesten verbreiteten im Überblick.

Verlustaversion: Die Neigung, mögliche Verluste überproportional zu möglichen Gewinnen wahrzunehmen, beeinflusst die Entscheidungen des Managements am stärksten und sorgt am ehesten für verhaltene Investments – egal, ob bei grösseren oder kleineren Deals.

Confirmation bias (Bestätigungsfehler): Auch die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu suchen und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen, wirkt sich auf das Investment-Verhalten von Unternehmen aus. Sie zeigt sich etwa, wenn Entscheidungsträger bei Investmentoptionen ihre Analyse darauf fokussieren, ein Angebot zu unterstützen anstatt es abzulehnen und weitere zu sondieren.

Unpassende Analogien: Sie sind zu beobachten, wenn zur Entscheidungsfindung Vergleiche mit vergangenen Investment-Erfahrungen gezogen werden, die gar nicht zum vorliegenden Fall passen.

Champion bias: Sie tritt auf, wenn Manager eher die Person in ihre Entscheidungen einfliessen lassen, die ein Angebot macht oder unterstützt, anstatt die Vorteile des Angebots selbst.

Fazit von Koller, Lovallo und Williams:

  • Kognitive Biases haben nachhaltige (und oft auch nachteilige) Effekte auf Investment-Entscheidungen.
  • Vor allem Biases wie Verlustaversion lassen sich nie gänzlich ausschalten, doch es gibt Mechanismen, die zumindest ihren Effekten vorbeugen können. Zum Beispiel, indem die Verantwortung für einzelne Investments nur zu einem Teil in die Bewertung der Performance des Managements einfliesst – so wie in der Pharmaindustrie, wo CEOs üblicherweise an der Performance eines ganzen Portfolios gemessen werden und nicht an Erfolg oder Misserfolg eines einzelnen Produkts.

McKinsey Quarterly | Tim Koller, Dan Lovallo & Zane Williams: A bias against investment?

Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , , ,

Kategorie: BEA™ Incentives & Motivation

Kommentieren