BEA™ Political Advisory: Antisoziales Verhalten ist ansteckend

Ein aktuelles Paper zeigt: Wenn Verbote offensichtlich ignoriert werden, verleitet das auch andere Menschen zu antisozialem Verhalten.

BEA™ Political Advisory: Antisoziales Verhalten ist ansteckendEin aktuelles Paper zeigt: Wenn Verbote offensichtlich ignoriert werden, verleitet das auch andere Menschen zu antisozialem Verhalten.

Foto: Mike Haller, Lizenz: CC BY 2.0

Müll abladen verboten! Rasen nicht betreten! Hunde an die Leine!

Unser Alltag ist voller deutlich ausgeschilderter Verbote, die vor allem ein Ziel haben: das Zusammenleben zu erleichtern und die gesellschaftlichen Kosten für die Beseitigung der Folgen von regelwidrigem Verhalten zu senken.

Trotzdem werden diese Verbote oft ignoriert. Und wenn das obendrein deutlich sichtbar ist, kann das einen fatalen Kreislauf auslösen, wie eine kürzlich im Journal “Group Processes & Intergroup Relations” publizierte Studie zeigt. Kees Keizer, Siegwart Lindenberg und Linda Steg von der Universität Groningen, Niederlande, haben im Rahmen von drei Experimenten untersucht, wie die Mechanismen des Zusammenspiels von Verbotsschildern und regelkonformem bzw. regelwidrigem Verhalten beschaffen sind.

Experimente an Radfahrern

Die Experimente waren immer gleich designt: Auf Fahrrädern, die vor einem Einkaufszentrum abgestellt waren, brachten sie Zettel an, auf denen ein fiktives Geschäft “Fröhliche Feiertage” wünschte. Es befand sich kein Mistkübel in der Nähe. Die Wissenschaftler beobachteten die Radfahrer und notierten, ob sie die Zettel mit sich nahmen oder zu Boden warfen.

Die einzigen Änderungen am Design der Experimente: In einem weiteren Durchgang wurde deutlich sichtbar Müll am Boden um die Fahrradständer verstreut. Und im nächsten montierten die Wissenschaftler zusätzlich ein Verbotsschild mit der Aufschrift: “Müll ablagern verboten”

Die Ergebnisse:

  • Beim Setting mit sauberer Straße nahmen mehr als die Hälfte der Radfahrer den Flyer mit sich.
  • Bei verschmutzter Straße waren es nur mehr 39 Prozent, die anderen warfen ihn auf den Boden.
  • Und bei verschmutzter Straße samt Verbotsschild waren es nur mehr 28 Prozent.

Regelkonformes Verhalten lässt sich anregen

Ähnliche Ergebnisse traten auf, wenn statt der verschmutzten Straße Graffiti an die Wand gesprüht war und in einem weiteren Schritt ein Schild mit “Graffiti verboten” angebracht wurde. Im Graffiti-Setting wurde allerdings auch die höchste Quote an Radfahrern erreicht, die den Flyer nicht zu Boden warfen: Ganze 68 Prozent waren es bei sauberen Wänden und einem “Graffiti verboten” Schild. Die Radfahrer registrierten also, dass sich ihre Mitmenschen offensichtlich regelkonform verhalten, weil keine keine Spuren von Regelverstössen zu sehen waren – und verhielten sich ebenfalls regelkonform.

Fazit von Keizer, Lindenberg und Steg:

  • Antisoziales Verhalten ist ansteckend. Je dreister es ausfällt, desto stärker verbreitet es sich.
  • Um regelkonformes Verhalten anzuregen, dürfen keine Spuren von regelwidrigem Verhalten zu sehen sein.
  • Das gilt vor allem dann, wenn deutliche sichtbare Verbotsschilder angebracht sind.

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