BEA™ Incentives & Motivation: Initiative zeigen – Woran man die Fähigkeit zum Leadership erkennt

Leadership zahlt sich nicht aus. Das fanden die Ökonomen Lisa Bruttel und Urs Fischbacher in einem Business Experiment heraus.

Stellen Sie sich vor, Sie leben in einer Wohngemeinschaft. In der Küche stapelt sich das schmutzige Geschirr. Keiner unternimmt etwas dagegen – im Gegenteil: das schmutzige Geschirr wird immer mehr. Das geht so lange, bis die Toleranzgrenze eines Mitbewohners überschritten ist. Er wäscht das Geschirr ab. Ein anderer Mitbewohner lässt sich von dieser Initiative anstecken. Beim nächsten Mal übernimmt er freiwillig den Abwasch.

Lisa Bruttel und Urs Fischbacher erzählen diese Geschichte in der Einleitung ihres Working Papers “Taking the initiative. What motivates leaders?”. Die beiden Ökonomen untersuchen darin, was Menschen antreibt, die mit gutem Beispiel voran gehen und die Initiative ergreifen. Solche Persönlichkeiten sind schliesslich nicht nur für eine Wohngemeinschaft ein Gewinn, sondern auch für Unternehmen. Die Initiative zu ergreifen ist essenziell für erfolgreiches Leadership.

Um herauszufinden, was Leadership ausmacht, entwarfen Bruttel und Fischbacher eine Serie von Business-Experimenten, die sie mit standardisierten Fragebögen kombinierten, um die Einstellungen und sozialen Präferenzen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu analysieren. (Details zum Setting der Experimente finden sich im am Ende dieses Textes verlinkten Paper.)

Daraus konnten sie sechs Eigenschaften destillieren, die Leader auszeichnen.

  1. Leadership zahlt sich nicht aus: Die Teilnehmer der Business-Experimente, die Initiative zeigten, erzielten signifikant weniger Einnahmen als jene, die sich passiv verhielten.
  2. Leader können sehr realistisch einschätzen, wie die anderen Mitglieder des Teams auf ihre Entscheidungen reagieren werden.
  3. Leadern liegt sehr viel daran, auch das Wohlergehen der anderen zu steigern. Jene, die früh die Initiative ergreifen, akzeptieren eher Ungerechtigkeiten, wenn sie die Effizienz steigern.
  4. Leader wollen gerne zeigen, dass sie die Initiative ergreifen.
  5. Leader nutzen ihre kognitiven Fähigkeiten besser. Sie denken mehr nach.
  6. Leader sind eher männlich.

Anhand dieser Faktoren gelangen Bruttel und Fischbacher zu folgendem Fazit:

  • Traditionelle Methoden zur Beschreibung von Persönlichkeiten reichen nicht aus, um Leadership zu erkennen. 
  • Leadership muss in einer anderen Art und Weise beurteilt werden. 
  • Business-Experimente wie das in diesem Paper vorgestellte, sind eine praktikable Methode, um das Leadership-Potenzial von Mitarbeitern oder Kandidaten abzuschätzen.

Lisa Bruttel und Urs Fischbacher: Taking the initiative. What motivates leaders? (.pdf)